Gesamtschule Allermöhe

Gretel Bergmann - ihr Leben

Gretel Bergmann, geb. 12.04.1914 in Laupheim

 

1933 emigriert sie zwangsweise nach Groß Britannien

1934 wird sie britische Meisterin im Hochsprung

1936 kehrt sie nach Deutschland zurück, stellt den deutschen Rekord Hochsprung (1,60m) ein, wird für die Olympiamannschaft nominiert, mit Beginn der Spiele wieder ausgeschlossen 

1937 wird sie US-amerikanische Meisterin im Hochsprung und Kugelstoßen

1938 wird sie US-amerikanische Meisterin im Hochsprung 1980 Aufnahme in die International Jewish Sports Hall of Fame

heute lebt Gretel Bergmann im New Yorker Stadtteil Queens, ist 96 Jahre alt und „gibt ihren Namen gerne einer Schule wie der unseren, die gegen Rassismus und für Respekt der Menschen untereinander eintritt“ – so hat sie es uns geschrieben („I would be so proud to be connected with a school which matches my idea of what a school should be like.“)

 

Die Jüdin Margaret Bergmann war 1936 die beste Hochspringerin der Welt, aber an den Olympischen Spielen durfte sie nicht teilnehmen. In Laupheim im Deutschen Reich fing Gretel Bergmann mit dem Sport an, als sie zehn Jahre alt war. Sie lief, sprang, warf, wurde aus dem Ulmer Fußballverein ausgeschlossen, ging nach England und wurde britische Hochsprung-Meisterin, kehrte heim, um 1936 in Berlin Olympiasiegerin zu werden, durfte nicht starten, sie floh in die USA, wurde dreimal amerikanische Meisterin, 1937 im Hochsprung und Kugelstoßen, 1938 im Hochsprung. Was hätte Sie 1936 erreicht? "Gold, nichts anderes wäre es gewesen. Ich wollte den Deutschen und der Welt beweisen, dass Juden nicht diese schrecklichen Menschen waren, nicht so fett, hässlich, widerlich, wie sie uns darstellten. Ich wollte zeigen, dass ein jüdisches Mädchen die Deutschen besiegen kann, vor 100.000 Menschen."

Berlin '36 ist 74 Jahre her. Gretel Bergmann, 1936 vermutlich die beste Hochspringerin der Welt, war 1,60 Meter gesprungen, das war deutscher Rekord. 1,60 Meter bedeuteten in Berlin eine Medaille. Gretel Bergmann war Mitglied der deutschen Kernmannschaft, weil die Amerikaner den Boykott angedroht hatten für den Fall, dass keine Juden im deutschen Team auftauchen würden. Doch als die Amerikaner auf dem Weg nach Berlin waren, schlossen die Nazis Gretel Bergmann aus. Sie nominierten „Dora“ Ratjen, die wie sich später herausstellte, in Wahrheit ein Mann war, und der Mann rasierte sich die Beine, trug lange Haare und fiel nicht weiter auf – eine Ironie der Geschichte.

Ihre Familie konnte vor dem Holocaust fliehen. Die Familie Ihres Ehemannes wurde ermordet, der Vater, die Mutter, 30 Verwandte. Mit welchen Empfindungen blickt Sie heute nach Deutschland? "Ich musste erst lernen, dass nicht alle Deutschen Mörder waren, und verstehen, dass die jungen Deutschen von heute nichts mit dem zu tun haben, was damals geschah. Menschen können gut oder böse sein, das hat nichts mit Hautfarben oder Nationen zu tun. Das Schlimmste sind ja Hass, Sippenhaft und Klischees. Ich habe jahrelang alles gehasst, was mit Deutschland zu tun hatte, das Land, die Menschen, sogar die Sprache. Ich hätte so glücklich sein können in all den Jahren, wenn ich nicht so gehasst hätte. Ich wollte nicht mal mehr Deutsch sprechen nach den Olympischen Spielen. Kein Wort mehr."

Seit 1937 lebt Gretel Bergmann in den USA, Queens/New York. Sie reiste damals nach New York City, so schnell sie konnte; 10 Mark, 4 Dollar, durfte sie mitnehmen. Gretel putzte und bügelte in Amerika. Dann lernte sie sich selbst als Krankengymnastin an, arbeitete für Ärzte. "Jede Menge dicke Frauen", sagt sie, "die einzige, die abnahm, war ich." Bruno Lambert kam nach, ihr Verlobter, bald ihr Ehemann, es war 1938. Bruno machte sein Examen in Amerika, Medizin, er durfte Staatsbürger werden, meldete sich am selben Tag zum Einsatz im Krieg gegen die Deutschen. Als sie 1994 vom Nationalen Olympischen Kommittee nach Deutschland eingeladen wurde, lehnte sie ab. Nie wieder wollte sie deutschen Boden betreten. Die Einladung, als Ehrengast des NOK die Spiele in Atlanta 1996 zu besuchen, nahm sie jedoch an. Und als sie drei Jahre später einen Anruf erhielt, sie sei Preisträgerin des Georg von Opel-Preises in der Kategorie "Unvergessene Meister", wagte sie noch einmal einen ganz großen Sprung, diesmal über den eigenen Schatten. Sie kam nach Frankfurt, um den Preis in Empfang zu nehmen. Und um dabei zu sein, als die Sporthalle ihrer Heimatstadt Laupheim in Gertel-Bergmann-Halle umgetauft wurde. Im Rathaus von Laupheim hielt sie eine Rede. "Ein Jude in Deutschland zu sein hieß zu leiden. Das Land, das ich so geliebt hatte, erwiderte meine Liebe mit Hass, Hass auf mich und das ganze jüdische Volk. Und ich selbst verzehrte mich im Hass auf alles Deutsche, und dieses Gefühl blieb sehr lange bestehen." Aber in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung sagte sie auch: "Ich werde nie vergessen, was geschehen ist. Aber ich bin froh, dass ich mich überwunden habe zu kommen. Wissen Sie, es ist nicht schön, mit all dieser Bitterkeit im Inneren zu leben."

 

-> Warum ist dieser Name für uns so gut geeignet: Der Name steht in Verbindung zu unserem Sportprofil – wir sind eine der führenden Sportschulen, er lässt sich gut sprechen und ist einprägsam, dieser Name wird weltweit mit dem Widerstand gegen Rassismus und Nationalsozialismus verbunden, gleichermaßen steht er für Gerechtigkeit, Fairness, und Völkerverständigung, er passt zur Sportstadt Hamburg, die Schule ist nach einer couragierten Frau benannt. 

Gretel Bergmann Schule | Margit-Zinke-Str. 7-11 | 21035 Hamburg | Tel. 040 / 735926 - 0